Betriebsrat in der transformierten Arbeitswelt

Betriebsrat in der transformiertenNiemand soll glauben, die Transformation 2.0 würde morgen beginnen. Wir befinden uns spätestens seit den 1980er Jahren in einem Transforma-tionsprozess, der die Erwerbsgesellschaft, unsere Volkswirtschaft und den Sozialstaat massiv verändern werden.
Die betriebliche Interessenvertretung ist davon in mehrfacher Hinsicht betroffen. Zunächst muss sie sich mit herkömmlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen herumschlagen, sich für Gute Arbeit engagieren und für verlässliche kollektive Interessenvertretung sorgen. Sie ist ferner konfrontiert mit Kolleg*innen, die sich partout nicht vertreten lassen wollen, kollektive Interessenvertretung meiden und Selbstvertretungs-ansprüche äußern. Zum Dritten befinden wir uns in einer Situation, in der sich Betriebe, wenn schon nicht in Luft auflösen, dann doch häufig ihre stationäre Basis verlieren.

Matrixorganisationen, agile Arbeit, New Work sind Stichwörter, die diesen Transformationsprozess begleiten. Unternehmen mutieren zu „demokra-tischen Unternehmen“, was heißt, dass kollektive Interessevertretung zu Gunsten der Selbstvertretung zurückgestellt werden soll. Parallel dazu sollen Schutzbestimmungen aus dem Arbeitsschutz- und Arbeitszeitrecht weiter dereguliert werden. Fremdkontrolle durch Hierarchien wird durch Selbstkontrolle ersetzt.
Einer meiner Schwerpunkte befasst sich mit arbeitspolitischen Konflikt-feldern, wie z.B. Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitszeit, Agile Arbeit oder Mobile Arbeit.
Mein zweiter Schwerpunkt bezieht sich auf die Rolle der betrieblichen Interessenvertetung in der vernetzten und digitalisierten Arbeitswelt.
Beides fasse ich in der Frage zusammen: Wie lassen sich betriebliche Transformationsprozesse im Rahmen zunehmender Informatisierung der Arbeit gestalten und wie lassen sich kollektive Interessenvertretung und das demokratisches Unternehmen verschmelzen?

14.04.2021