Informatisierung von Arbeit und Gesellschaft

Einleitung

Mit der Informatisierung von Arbeit und Gesellschaft ist die Informationsgewinnung, -speicherung und -verarbeitung gemeint.  Informatisierung von Arbeit und Gesellschaft ist ein historischer Prozess, in dem für die jeweilige Epoche spezifische Technologien genutzt werden.
Technologien, die der Informatisierung dienen, können ihren Ursprung in der Kunst, dem Handwerk oder der Wissenschaft haben.
Ob in der Malerei oder durch das geschriebene Wort, ob in der Antike dem Barock oder in der digitalen Epoche, immer wieder werden mit ästhetischen Tricks Illusionen erweckt. Wie Information als Macht- und Herrschaftsinstrument eingesetzt wird, zeigt sich z.B. bei der Kolonisierung indigener Völker, im III. Reich am Beispiel des Volksempfängers oder heute an elektronisch abgesetzten Fake news, durch Mensch oder Chatboots erzeugt.


Die Epochen der Informatisierung

Die früheste Epoche  der Informatisierung ist die der Mündlichkeit. In der „mündlichen Epoche“ zählt das rituelle Wort. Der Soziologe Dirk Baecker sagt, dass die Sprache eine Technik zur Erweiterung und Widerspiegelung des Lebens sei. Eine der frühesten und nützlichsten Funktionen der Sprache sei die Identifizierung durch Benennung.
Geschichten werden erzählt und damit von einer Generation zur anderen weitergegeben
Die Informatisierung beginnt mit der gesprochenen Sprache. Eroberer wollen die Volkssprache der Besiegten unterdrücken. Ihr Ziel ist es, sich die Meinungshoheit zu sichern. Die Überlieferung durch gesprochene Sprache ist gestört. Informationen sind demnach auch im Kontext von Herrschaft und Widerstand zu begreifen. Das Hören britischer Sender war z.B. unter nationalsozialistischer Herrschaft verboten und galt als eine Form des Widerstandes.

Auf die Mündlichkeit folgt die Epoche der Schriftlichkeit. Für den US-amerikanischen Historiker Mumford schafft die geschriebene Sprache Symbole. Die ersten Schriftcodes oder Zeichen sind Höhlenzeichnungen. In den Malereien spiegeln sich u.a. auch Macht- und Besitzverhältnisse!
Schrift bedeutet die Weitergabe von gesprochenen Wörtern in codierter Form.
Bereits die antike Gesellschaft nutzt die Schriftform als Code. Die Schriftform ist vergänglich und für die Gegenwart gedacht.

Die dritte Epoche ist die des Buchdrucks. Ein mit der Feder geschriebenes Buch ist einzigartig und hat einen anderen Charakter als ein gedrucktes, in hoher Zahl verbreitetes Buch.
Dass der Buchdruck eine Sicherung des Geschriebenen für die Zukunft bedeutet, zeigt die Vervielfältigung des gedruckten Buchs wie der übersetzten Luther-Bibel.
Dem Buchdruck folgt der Druck von Zeitungen und Flugblättern
Flugblätter gegen Umweltzerstörung oder für Streik können für Umweltaktivisten oder Gewerkschaftler stehen. Sie zielen auf mehr Natur- und Umweltverträglichkeit und bessere Arbeitsbedingungen.  

Die vierte Epoche ist die der elektronischen und digitalen Medien. Über Medien wie Radio oder Fernsehen transportierte Informationen schaffen Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit. Sie können genauso gut manipulieren, täuschen und Illusionen erwecken.
Die digitalen Epoche wird von sozialen Medien geprägt, die über Plattformen gesteuert werden. Facebook, Twitter und andere „Social Media“ ergänzen gedruckte Medien oder lösen sie teilweise ab. Sie sind die Leitmedien des digitalen Zeitalters.

Die jeweiligen Epochen überschneiden sich und lösen einander nicht ab.
 

Technologien der Informatisierung

Die Epoche der Mündlichkeit ist von der Stammesgesellschaft geprägt. Die antike Hochkultur umfasst die mündliche Überlieferung sowie die Schriftform.

Gesellschaften und Metropolen wachsen. Mit jeder Ausdehnung werden
Besitzverhältnisse und Verwaltungsorganisationen unübersichtlicher. Die Verschriftlichung von Regeln und Verhältnissen sollen Übersichtlichkeit und Verbindlichkeit schaffen.
In Mesopotamien beginnt die Schrift mit einer Übersicht über Ein- und Ausgaben, dem Grundprinzip der Buchhaltung.
Für Europa ist der Ausgangspunkt die griechische Schrift, aus der sich die lateinische und kyrillische Schrift sowie die Runen ableiten.
1.500 v. Chr. wird das Alphabet erfunden. Die Verbreitung des Alphabets erfolgt durch Handel. 800 v. Chr. übernehmen die Griechen die Schrift-zeichen und ergänzen diese durch Vokalzeichen.
Zu den ältesten Schriften gehört die chinesische Jiahu-Schrift (6.600 v. Chr.). Im 4. Jhrd. v. Chr. wird in Mesopotamien per Keilschrift geschrieben. Um 3.200 v. Chr. bedient man sich in Ägypten der Hieroglyphen.
In Ägypten schreibt man auf Papyrusrollen aus Leder, Papyrus oder Leinen. Ihre Länge beträgt bis zu 40 m.

Indien 800 v. Chr. wird die Null erfunden. Das indische Zahlensystem findet über Arabien und Spanien nach Europa (0-9). In Europa gilt lange das römische Zahlensystem: „M=1000; D=  500; X=10.“
Das römische Rechensystem ist dem indisch-arabischen weit unterlegen: „3 X 50 = 150 oder III X L = CL?“

Die antike Hochkultur wird von Handel, Handwerk und Hierarchien geprägt. Die in dieser Epoche entstehende Vorratswirtschaft benötigt Kapital und ist herrschaftsgebunden. Bücher werden genutzt, um wechselseitige Verpflichtungen zu beschreiben.

Von der Spätantike bis ins Mittelalter werden Schriften durch so genannte Skriptoren meist in Klöstern vervielfältigt. Ihr Schreibgerät sind Federn und Tinte. Zunächst wird auf Papyrus geschrieben, dann auf Pergament und ab dem 14. Jahrhundert schließlich Papier.

Die Druckerpresse gehört zu den wegweisenden Erfindungen zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Durch den Buchdruck werden Verlagswesen, Zünfte, Fernhandel und Bankenwesen möglich. Jetzt gelangen Informationen in einen entfernteren Raum.
Der Buchdruck schafft die Grundlage für die „Wirtschaft“. In seinem  Buch „4.0 oder Die Lücke, die der Rechner lässt“ weist Baecker weist darauf hin, dass in der digitalen Epoche die Datenökonomie dominiert, die ihrerseits Netzwerke benötigt.

Die Informatisierung von Arbeit, Gesellschaft und Betrieben ist der zentrale Aspekt des Transformationsprozesses, in dem wir uns befinden. Für den Soziologen Dirk Baecker ist die Informatisierung entscheidend für den Transformationsprozess: „Informatisierung bezeichnet...einen sozialen Prozess der systematischen Erzeugung und Nutzung von Informationen, um daraus weitere Informationen erzeugen zu können.“ Die Informatisierung finden wir z.B. in der Robotertechnik, den Cyber-physischen Systemen, den autonom fahrenden Automobilen und dem Internet der Dinge.

Informatisierung bildet reale Prozesse in Form von Daten abstrakt ab. Informatisierung ist eine Entwicklung über viele Jahrhunderte, die mit der doppelten Buchführung, der Nutzung von Stücklisten, Ablagesystemen und einer systematischen Arbeitsplanung begonnen hat. Karteikarten, unterschiedliche Formen der Registrierung, Lochkartensysteme, Schreibmaschinen, Telegrafen, Fernschreiber, Rechenmaschinen und schließlich Computer. Immer geht es darum, Informationen zu sammeln , zu speichern oder aufzubewahren und zu verarbeiten. Durch die Computernutzung wird die Informatisierung zum Herzstück der Verschriftlichung von betrieblichen Informations- und Kommunikations- und Informationsprozessen. Zunehmende Speicherkapazitäten bei gleichzeitigem Kostenrückgang beschleunigt den Informatisierungsprozess und macht deutlich, wie sehr er der ökonomischen Verwertungslogik folgt.
Ein Computer ist Arbeitsmittel und Medium. Als Medium hilft er, Informationen aus ihrem Zusammenhang zu nehmen, sie zu verbreiten oder in einen anderen Zusammenhang zu setzen. Als Arbeitsmittel hält er die Informationen für Arbeitsprozesse bereit, die benötigt werden und verwaltet sie. Seine Software macht die Arbeitsprozesse sicht- und nutzbar. Keine Software läuft ohne Hardware. Hardware ist die physische Hülle der Software. Was auf dem Computer im Wechselspiel von Hard- und Software sichtbar wird, ist der Gegenstand der Arbeit. Messwerte, Kundendaten, Konstruktionszeichnungen oder Produkte lassen sich mit dem Computerprogramm abbilden.
Die Form der Arbeit ist geistiger Natur oder Kopfarbeit, die zu hohen mentalen Anforderungen führen kann.

Literatur:

Baecker, 4.0 oder die Lücke die der Rechner lässt, 2018
Gross, Lyon, Welzer (Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin), Von Luther zu Twitter, 2020)., 4.0 oder Die Lücke, die der Rechner lässt, 2018
Mumford, Mythos der Maschine, 1981

Aktualisiert: 18.10.2020

 

Informatisierung, Technik und Technologie

Rechenmaschinen und andere Techniken

In Oberitalien wird im 13./14. Jahrhundert die doppelte Buchführung eingeführt, in Deutschland im 15./16. Jahrhundert. Seit dem 15. Jahrhundert wird die Bilanz genutzt.
In der doppelten Buchführung spiegelt sich der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg wider.

Im 15. Jahrhundert demokratisiert Gutenberg durch den Buchdruck die Schriftsprache.
1605 findet der Übergang von der handschriftlichen und gedruckten Nachrichtenverbreitung statt. Die gedruckte Zeitung ist erfunden.

Um Informationen über große Entfernungen transportieren zu können, werden bis ins 18. Jhdt. Läufer, Pferde, Tauben, Postkutschen und Segelschiffe genutzt.
Der frühe Überseehandel im 15./16./17 Jhdt. fördert die Entwicklung von Navigationsgeräten. Ohne Navigationsgeräte sind weder Ozeanüberquerungen noch früher globaler Handel möglich.
Um 1600 wird als Zufallsprodukt bei der Brillenherstellung das Fernrohr entwickelt.

1642 erfindet der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal die erste automatische Rechenmaschine. Im 17. Jahrhundert wird die Rechenmaschine erstmalig angewendet.
1725 nutzt Bonchon in Lyon Lochpapier, um ein Muster zu übertragen.
1745 baut Jaques de Vaucanson einen vollautomatischen Webstuhl.
Seit dem 18. Jahrhundert wird mit Logarithmentafeln gerechnet.
Die industrielle Produktion zeichnet sich ab.

In den Jahren um 1830 bis 1840 wird die Telegraphie erstmalig in den USA und Großbritannien zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt.
Um 1840 arbeiten dampfbetriebene Druckmaschinen im Zeitungsbereich Im 19. Jahrhundert verändert sich die Nachrichtentechnik durch Morsen.
1844 wird in den USA der Telegraf eingeführt, von Morse gebaut.

1783 werden die Vorläufer des Telefons in Paris mit mäßigem Erfolg ausprobiert. 1777 werden die ersten Telefonate geführt. Anfangs verbindet das „Fräulein vom Amt“ die Telefonierenden miteinander. Später gib es die Selbstwähler mit Wählscheibe. 1926 gibt es erste Schritte Richtung eines Mobiltelefons. Seit 1964 wird das Tastentelefon genutzt.

1805 verknüpft Jacquard hintereinander die Lochkarten – ein erster Einstige in die Datenverarbeitung und eine Verbesserung der Lochkartensteuerung. Babbage ordnet 1834 auf Lochkarten angefertigte Programme konkreten Zahlen zu. Die Maschine enthält eine Trommel, in der wiederum alle Lochkartenprogramme enthalten sind.

1870 findet die Schreibmaschine mitsamt Kohlepapier in den Büros Einzug.
Im späten 19. Jahrhundert dient die Lochkarte als Rechnerleistung. 1890 wird erstmals eine Lochkartenprogrammierung durchgeführt. Hermann Hollerith, eine Ingenieur der US-amerikanischen Volkszählungsbehörde, entwickelt dazu die Lochkartenmaschine.


Informatisierung im Büro

Die Informatisierung im Büro führt zu unterschiedlichen Systemen der Buchführung. Zettelsysteme werden seit Ende des 19. Jahrhunderts mit der Verbreitung des Akkordsystems genutzt.
Auch die Informationssammlung in Lohn- und Kalkulationsbüros zählt zur Informatisierung der Büroarbeit, ebenso die Herausbildung von Ablagesystemen, die Nutzen von Akteien, Karteikartentechniken und Registraturen.

Mit der Technik der Vervielfältigung, Verbreitung und Auswertung von Informationen mittels Schreibmaschinen, Matrizen- und Reproverfahren, Rohrposteinrichtungen, Telegrafen, Fernschreiber, Rechenmaschinen sowie die Hollerithmaschinen, ein bestimmtes Lochkartenverfahren in der Datenverarbeitung, wird die Informatisierung dynamisiert.


Von der mechanischen und elektronischen Energieerzeugung

Die Dynamisierung in der Energieerzeugung potenziert sich um 1900 als die Stirling Maschine zur Stromerzeugung genutzt wird.

Die mechanische Informationserzeugung wird immer mehr zur elektronischen. Die Elektronenröhre verstärkt 1904 den Trend. 1938 entwickelt Zuse den ersten Rechner, Z 1 und 1941 den ersten programmierbaren Rechenautomat. 1944 arbeitet der erste amerikanische Computer auf Relais-Basis. Als in den 1950er Jahren der Transistor erfunden wird, ist die Grundlage für komplexere Schaltungen gegeben. 1950 bis in die 1960 Jahre werden Elektronenrechner oder
Röhrencomputer genutzt. Ab 1960er Jahren werden integrierte Schaltungen in die Rechner eingebaut und ab 1980 er findet die Großintegration in Micro-Computern statt.
Seit den 1970er Jahren werden Computer in Form von Computerverbundsystemen eingesetzt.
Zur Erfassung, Bearbeitung und Speicherung von Texten in der öffentlichen Verwaltung stellt man in der Untersuchung fest, daß ca. 40 % der heutigen Arbeitszeit durch Maschineneinsatz eingespart werden kann“, zitieren Brödner, Krüger und Senf bereits 1981 die Studie von Siemens „Büro 1990“. Frühe Industrieroboter werden bei Mercedes ab 1970 tätig. Seit 1973 werden bei Kuka Roboter hergestellt.
Der erste Heimcomputer ist 1977 der Apple II, IBM folgt mit einem PC 1981.

Ab den 1980er Jahre wird in der chemischen Industrie vollautomatisch gearbeitet. Etwa zur gleichen Zeit starten Textverarbeitungsprogramme sowie CNC, CAD und CAM-Systeme.
Spätestens in der 1980 / 1990er Jahren werden Computerarbeitsplätze massiv ausgeweitet.

Seit dieser Zeit gilt das Moore´sche Gesetz. Man schätzt, dass sich die Speicherkapazität alle 18 Monaten verdoppelt. Die Folge ist eine massive Erhöhung der Rechnerleistung und die dazugehörigen Speicher-kapazitäten werden immer kostengünstiger, auch wenn das Moore`sche Gesetz aus physikalischen Gründen heute nur noch bedingt gilt.


Der Rundfunk in Radio und Fernsehen

1923 geht der Weimarer Rundfunk auf Sendung. Als Empfänger dient das Radio. Das Radio mutiert im Nationalsozialismus zum Volksempfänger.
1936 wird die erste Fernseh-Sprechverbindung zwischen Berlin und Leipzig eröffnet. 1953 werden die Londoner Königsfeierlichkeiten in die Wohnzimmer übertragen. Weite Teile Deutschlands feiern 1954 die Fußballweltmeisterschaft vor dem Fernseher. In den 1960er und 1970er Jahren wird der Fernseher zum Informationsempfänger der Deutschen. 1969 werden die ersten Schritte auf dem Mond übertragen. Zigtausende sehen in den 1960er und 1970er Jahren Boxkämpfe von Muhammed Ali auf ihrem wohnzimmerlichen Bildschirm.
Die Macht der bewegten Bilder beginnt sich zu etablieren.


Algorithmische Information

Die Produktion von Information nimmt schlagartig durch algorithmische Informationen zu, deren Ursprung „Social Media“ wie Twitter, Facebook, Instagram oder You tube ist.
Social Media sind Aufmerksamkeitserzeuger und -binder. Sie bilden eine Komfortzone für Selbstbestätigung in der eigenen Informationsblase. Öffentlichkeit findet im abgeschlossenen virtuellen Raum ohne Diskurs statt. Bereits mit dem Fernsehen haben Manipulationen durch Bildbearbeitung stattgefunden. Vilirio mahnt an, dass in den Wohnzimmern der saubere Golfkrieg von 1991 in Echtzeit und als Miniatur zu sehen sei. Mit Twitter und Facebook erfolgt eine weitere Steigerung der Manipulation von Informationen. Nach welchen Regeln die Algorithmen Informationen zur Verfügung stellen, bleibt nach Lobe verborgen: „Die Transparenz von Entscheidungsgründen, die in einer demokratischen Gesellschaft konstitutiv für (Wert-)Urteile ist, wird auf Internetplattformen außer Kraft gesetzt“ und der Manipulation von individuellem Verhalten oder Wahlentscheidungen sind nicht nur durch Chatboots sind Tür und Tor geöffnet: „Mit Computerprogrammen ist es heute möglich, im Handumdrehen Videos zu manipulieren und sogenannte `Deep-Fakes´zu kreieren.“ Die Aufklärung durch Information wird ad absurdum geführt.


Internet der Dinge

Menschen und Gegenstände lassen sich mit RFID-Chips ausrüsten. Menschen mit hohen Gesundheitsrisiken, z.B. an Demenz Erkrankte können so aus der Ferne beaufsichtigt werden. Die Smartphones von Schulkindern lassen sich mit Apps ausrüsten, die signalisieren, wo sich der Sprössling gerade befindet. Nahrungsmittel können während des Transports im Rahmen von Service, Logistik oder Kundenbelieferung verfolgt und kontrolliert werden.

Zum IdD gehören spezielle Dienste wie Bestell-, Bezahl- und Logistikdienste, der Online-Handel und Scannerkassen zum Selbstscannen sowie bargeld- und womöglich kontaktloser Zahlungsverkehr und Einkauf.

Ohne Plattformökonomie ist das IdD nicht denkbar. Plattformökonomie ist Drehscheibe und Zentrum der digitalen Arbeits- und Lebenswelt. Voraussetzung ist Cloud-Computing mit der Bereitstellen von Rechnern und Speicherleistungen. Die Nutzung von Anwendungsumgebungen in der Cloud ist ebenso Basis des IdD wie die Nutzung von Software-anwendungen. Arbeitsprozesse werden mehr und mehr ins Cloud-Computing verlagert, ebenso das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit oder das Erstellen eines Angebots für eine technische Anlage.
Die digital erstellte medizinische Diagnose, die Planung und Buchung einer Fernreise oder die Abwicklung eines Schadenfalls sollen über das IdD und damit über die Cloud abgewickelt werden. Online-Lebensmittel und -Fertiggerichte lassen sich ebenso gut einkaufen und liefern wie technisches Gerät.

Ohne dem Internet der Dinge ist ein Smart Home nicht möglich. Ohne ein IdD spricht der Kühlschrank nicht mit dem Sprachassistenten! Die Sprachassistenz wie Alexa von Amazon ist gekoppelt mit dem Thermostaten, dem Türschloss, den Jalousien und selbstverständlich mit dem Kühlschrank. Das Smartphone meldet der Sprachassistenz, es ist es zu warm! Der Thermostat reagiert. Heizung zurückdrehen.
Der Stromanbieter empfiehlt auf Grund der Daten, die er erhalten hat, nachts Wäsche zu waschen – das ist kostengünstiger!
Der Staubsaugroboter „Saugi“ kommt in die entferntesten Winkel und sendet seine Signale zum Sprachassistenten oder gleich zum Anbieter.
Die Abhängigkeit von Händlern oder Anbietern z.B. durch so genannte Dash Buttons wie bei Amazon, die inzwischen verboten sind, steigt und damit auch die Fremdkontrolle und -steuerung.
Ein Mangel an Alternativen entsteht. Smarte Geräte zentralisieren und kontrollieren den Konsum. Viele Nutzer sind in der Technologiefalle eingeklemmt. Wer nicht auf dem neuesten Stand ist, ist ausgeschlossen.
Ob Thermostat, Saugroboter oder Matratze, das „Smart Home“ ist ein selbst gewählter Überwachungsapparat.
Smart home ist nicht nur nach Meinung der amerikanischen Soziologin Zuboff ein Konzept zur Selbstüberwachung, wie sie am Beispiel der Matratze darstellt. Diese wird auf die Person eingestellt, ist individuell variabel weicher oder härter einzustellen, misst Herzschlag, Atmung und nächtliches Drehen. Morgens sieht die Person ihren Sleep IQ.

Das IdD basiert auf der Vernetzung von cyber physischen Systemen per Internet mit beliebigen anderen Computern. Die Vernetzung von allem mit jedem ist die informatisierte globale Infrastruktur, kontrolliert von Überwachungskapitalisten mit zur Verfügung gestellten Verhaltensdaten.
Smartphones und andere mobile Endgeräte sind Informationsschatztruhen mit Informationen zum aktuellen Standort, Kalender, Adressbuch und E-Mail-Postfächer. Sie lassen sich nutzen, um genau auf den Nutzer zugeschnittene Informationen, Produktangebote oder andere Dienste bereitzustellen.


Informatisierung von Städte, Kommunen und Verwaltungen

Das Internetportal www.kleio.org beschreibt, wie im 12./13.Jahrhundert mit dem Rat der Stadt ein Selbstverwaltungsorgan ins Leben gerufen wird. In der Regel wird einmal im Jahr die Bürgerversammlung zusammengerufen. Städtische Bedienstete wie Stadtschreiber, Stadtknechte, Torwächter, Türmer und Stadtpfeifer werden durch ihn eingestellt. Zu seinen Aufgaben gehört die Aufnahme neuer Bürger in die Gemeinde, die Beaufsichtigung von Zünften und Gilden, Verleihung von Zunftprivilegien und Statuten. Der Rat der Stadt überwacht Maß und Gewicht und Bestrafung bei dessen Missachtung. Er erlässt Verordnungen, ergänzt und entwickelt das Stadtrecht weiter und  kontrolliert Güte und Preise der Lebensmittel. Vom Rat der Stadt aus wird die Polizeigewalt ausgeübt und die innere Ordnung überwacht. Er repräsentiert die Stadt. Er sorgt für die Errichtung und Unterhaltung der Stadtmauer und Verteidigung der Stadt, eventuell auch Anwerbung von Söldnertruppen. In seinen Bereich fällt die Verwaltung des gesamten städtischen Vermögens wie Grundbesitz und kommunale Einrichtungen wie Ratswaage, Ratskeller, Brauhaus und Badestube. Er ist für die Erhebung von direkten und indirekten Steuern wie die Bede, eine erbetene, freiwillig geleistete Abgabe an den Grundherrn, die Kopfsteuer und das "Ungelt" sowie für die Verwaltung des Zoll- und Münzwesens zuständig. Seit dem 15. Jahrhundert existieren freie Städte und Reichsstädte mit zahlreichen Selbstverwaltungsrechten.

Ca. 600 Jahre später, im Jahr 2000 startet das Bundesinnenministerium die Initiative „Bund online 2005“. Die Initiative soll staatliche Leistungs-fähigkeit erhöhen und Kosten verringern. Der Wirtschaftlichkeitsnutzen stellte sich nicht in dem erwarteten Ausmaß ein. Internetanbindung an die Datenverarbeitung der Behörden fehlte (Backend).
Der “Anwendungszoo“, die parallele IT-Anwendungen für gleiche Zwecke sollte verringert werden sowie die mangelhafte Vernetzung der Behörden untereinander. Standardisierungsbestrebungen uferten zur Standarisierungsbürokratie aus. Eine Vielzahl von „Einer für alle“-Einzelanwendungen und Schnittstellenstandards existieren nebeneinander.
Heute wird ein langsamer Fortschritt in der behördlichen Vernetzung festgestellt. Die Gesetzgebung (2014 / 2015) hat mit E-Government-Gesetzen für Bund, Land und Kommunen die Bereitstellung der Möglichkeit einer digitalen Signatur, die digitale Abbildung aller Verwaltungsverfahren und die komplette Abbildung aller dafür geeigneten innerbehördlichen Abläufe bezweckt.
Die anvisierten Ziele liegen im Portalverbund (2016). Bund und Länder einigen sich auf ausschließliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes.
Die Ausweitung der individualisiert angepassten Arbeit vieler kommunaler Behörden und Landesbehörden geschieht durch “Bürgerkonten“. Behörden vernetzen sich im Hintergrund mehr und mehr.
Die Organisation soll durch die Bildung von Shared Services und Ent-/ Verleihungen unter Behörden optimiert werden. Dazu zählen Leistungen bzw. Services für Bürger und Gesellschaft, Arbeitsabläufe in der Verwaltung und zwischen Bürgern, Verwaltung und Unternehmen.
Die Informationstechnik selbst mit eigenen Kontrollbedarfen und die Steuerung der Verwaltung in Gänze wie auch der eigenen IT soll verbessert werden. Digitale Portale und Prozesse sollen Tätigkeiten auf Maschinen freimachen, um Beschäftigten den direkten Bürgerkontakt zu ermöglichen, z.B. für Migration und soziale Brennpunkte. Die Produktivität soll steigen und Arbeit umstrukturiert werden, alles mit hohen Standards bei Datenschutz und Datensicherheit, versichern Heuermann, Tomendal, und Bressem.

Zu den wesentliche Regelungen des E-Government-Gesetzes gehört die Verpflichtung der Verwaltung zur Eröffnung eines elektronischen Zugangs von Bürger und Bürgerinnen sowie Unternehmen zur Verwaltung und zusätzliche Verpflichtung der Bundesverwaltung eines De-Mail-Zugangs (ermöglicht rechtssicheren Zugang) und der Identifikationsmöglichkeit mit dem neuen Personalausweis (nPA), die Erleichterung bei der Erbringung von elektronischen Nachweisen und der elektronischen Bezahlung in Verwaltungsverfahren und die Erfüllung von Publikationspflichten durch elektronische Amts- und Verkündungsblätter.
Die TBS NRW benennt die Zielsetzung des e-Government-Gesetzes. Es bezieht sich auf die Grundsätze der elektronischen Aktenführung und des ersetzenden Scannens, die Verpflichtung zur Dokumentation und Analyse von Prozessen. Das Gesetz soll ferner die Bereitstellung maschinen-lesbarer Datenbestände durch die Verwaltung („open data“) und die Ersetzung der Schriftform durch andere technische Verfahren als die qualifizierte elektronische Signatur (qeS) ermöglichen. Es bietet zudem die Grundklage für Regelungen in verschiedenen Rechtsgebieten, in denen die Praxis gezeigt hat, dass zur Verbesserung und Erweiterung von e-Government-Angeboten Änderungen angezeigt sind.

Verwaltung 4.0 skizziert schlaglichtartig, dass wir am Beginn eines Transformations- oder Reorganisationsprozesses mit offenem Ende und Ausgang stehen.
Die Interessenvertretung sollte in der Lage sein hinsichtlich der Arbeitsbedingungen eigene Bewertungs- und Zielrichtlinien zu erarbeiten
Transformationsprozesse, insbesondere die Prozesse, die 4.0 –Themen beinhalten, sollten beteiligungsorientiert, demokratisch und fair ablaufen
Beteiligungsorientierung, demokratische Haltung und Fairness unterstützen den Einstellungswandel und die Veränderungswilligkeit.

Durch die Bereitstellung öffentlicher Daten an die Bürger und die Bereitstellung von Daten wie die Steuererklärung durch die Bürger zählen Smart City und öffentliche Verwaltung „Internet der Dinge“

Das Ziel der Smart Citys nach Heuermann, Tomendal und Bressem (Hrsg.) ist sämtliche öffentlichen und privaten kommunalen Services, eigene wie durch Dritte betriebene, möglichst „energie-, zeit- und kosteneffizient sowie bequem dem Nutzer anzubieten.“

Konzepte und Optimierungsfelder für Smart Citys sind im Zusammenhang der Internet der Dinge in den Bereichen Bildung, Gebäude, Wohnen, Gesundheit, IT, Mobilität, Verkehr, öffentliche Verwaltung und Kommunikation mit Personen und Bürger zu sehen sowie in Umwelt, Wertschöpfung und Ökonomie.

Im Smart-City-Atlas von Fraunhofer ISE und bitkom wird betont, dass mit den Smart Citys ein demokratischer Zugang zum Internet und web-basierten Anwendungen mit aktiver und reaktiver Beteiligung der Beschäftigten verbunden ist.
Über das Internet sollen Information und Kommunikation an die Bürger/innen gelangen und Mitbestimmung im Veränderungsprozess gewährleisten. Angst und Sorge im Veränderungsprozess können zu Widerstand führen.
Im IT-Bereich kann es zu personellen Engpässen kommen. Akzeptanz soll durch Information und Beteiligung erzeugt und erhalten werden.


Literatur
Brödner, Krüger, Senf, Der programmierte Kopf, 1981
Fraunhofer IESE, bitcom, Smart-City-Atlas, März 2019https://www.bitkom.org/sites/default/files/2019-03/190318-Smart-City-Atlas.pdf, letzter Aufruf 21.07.2020
Lobe, Die algorithmisch gelenkte Öffentlichkeit in Gross, Lyon, Welzer Deutsches Historisches Museum, Von Luther zu Twitter, 2020
Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, 2018,. Alltagsgeschichte des Mittelalters, www.kleio.org, www.kleio.org/de/geschichte/mittelalter/alltag/ letzter Zugriff 21.07.2020
Heuermann, Tomendal, und Bressem (Hrsg.), Digitalisierung in Bund, Ländern und Gemeinden, 2018).
(TBS NRW, E-Government in der öffentlichen Verwaltung www.tbs-nrw.de/fileadmin/Shop/Broschuren_PDF/TBS-Arbeitshilfe_eGovernment.pdf, letzter Zugriff 21.07.2020).
Tomendal und Bressem (Hrsg.), Digitalisierung in Bund, Ländern und Gemeinden, 2018, S. 63).
Virilio, Krieg und Fernsehen, 1993