www.guenter-schnelle.de >  Home

Home

 


Was bestimmt unsere Zeit?

Coronakrise, Klimakrise, Digitalisierung und Decarbonisierung bestimmen unserer Zeit. Konflikte mit der Natur machen sich u.a. als Zoonosen bemerkbar. Die Klimakrise ist Ausdruck von Natur- und Ressourcenzerstörung. Die Digitalisierung steht für eine umfassende und weitreichende Informatisierung unserer Arbeits- und Lebenswelten. Mit der Decarboniserung ist belegt, dass der Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter endgültig begonnen hat.


Wofür stehen Coronakrise, Klimakrise, Digitalisierung und Decarbonisierung?

Coronakrise, Klimakrise, Digitalisierung und Decarbonisierung stehen für Transformation. Transformation bedeutet Umwandlung. Die „Große Transformation“ ist ein Prozess, der im Vereinigten Königreich etwa im 16. Jahrhundert beginnt und in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts endet. Er beschreibt die Auflösung sozialer Strukturen und vorindustrieller Arbeitsweisen, die Privatisierung von Gemeinschaftseigentum und die Initiierung eines liberalen Wirtschaftssystems sowie die beginnende industrielle Produktionsweise.

Das beginnende 21. Jahrhundert scheint eine ebensolche Transformation mit sich zu bringen. Ich nenne sie Transformation 2.0. Soziale und ökologische Verwerfungen, eine immer größer werdende Spreizung von Einkommen und Vermögen, ökonomische Krisen, Zunahme von Ungleichheiten, regionale Kriege mit Migration und anderen globalen Auswirkungen sowie zunehmende Informatisierung von Arbeits- und Lebenswelt deuten darauf hin, dass es um mehr geht als nur um die Beseitigung von Kunststoff aus dem Meer oder alternative Antriebssysteme.

 

Was heißt das?

Wir befinden uns in einer Transformation, die unsere gesamte Arbeits- und Lebenswelt betrifft. Zeit, Natur, Arbeit, Wirtschaft und Gemeinwohl sind betroffen. In der Arbeitswelt finden technologisch bedingte Umstrukturierungen von Arbeit statt. Die Lebenswelt ist geprägt von teilweise sehr starken Spannungen in der Gesellschaft.

Noch ist offen, in welche Richtung sich die Transformation entwickelt. Aus betrieblichen Zusammenhängen wissen wir: Transformation ist gestaltbar.

 

Welche Entwicklungslinien sind denkbar?

Ich möchte zwei Schlüsselbereiche herausgreifen: 1. Demokratie im Unternehmen und 2. Würde in der Arbeit.


Stand: 05. Mai 2021

Betriebsrat im demokratischen Unternehmen

Wir befinden uns spätestens seit den 1980er Jahren in einem Transformationsprozess, der die Erwerbsgesellschaft, unsere Volkswirtschaft und den Sozialstaat massiv verändern werden.

Die betriebliche Interessenvertretung ist davon in mehrfacher Hinsicht betroffen. Sie muss sich mit herkömmlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen herumschlagen, sich für Gute Arbeit engagieren und für verlässliche kollektive Interessenvertretung sorgen. Sie ist ferner konfrontiert mit Kolleg*innen, die sich partout nicht vertreten lassen wollen, kollektive Interessenvertretung meiden und Selbstvertretungs-ansprüche äußern. Zum Dritten befinden wir uns in einer Situation, in der sich Betriebe, wenn schon nicht in Luft auflösen, dann doch häufig ihre stationäre Basis verlieren.

Matrixorganisationen, agile Arbeit, New Work sind Stichwörter, die diesen Transformationsprozess begleiten. Unternehmen mutieren zu „demokra-tischen Unternehmen“ mutieren, was heißt, dass kollektive Interessen-vertretung zu Gunsten der Selbstvertretung zurückgestellt werden soll. Parallel dazu sollen Schutzbestimmungen aus dem Arbeitsschutz- und Arbeitszeitrecht weiter dereguliert werden. Fremdkontrolle durch Hierarchien wird durch Selbstkontrolle ersetzt.

Der Betriebsrat im demokratische Unternehmen ist mein zentrales Thema.

Ich folge den Fragen, wie verändern sich arbeitspolitischen Konfliktfelder wie Arbeitszeit? In welcher Beziehung stehen New Work und das demokratische Unternehmen? Wie verhalten Agile Arbeit oder Mobile Arbeit zum Arbeits- und Gesundheitsschutz?

Wie kann eine gute Betriebsratsarbeit in der vernetzten und digitalisierten Arbeitswelt strukturiert werden? Welche Beteiligungsmöglichkeiten sind vorstellbar? Wie lassen sich kollektive Interessenvertretung und das demokratisches Unternehmen verschmelzen?

Keine Frage wird abschließend beantwortet sein. Das Suchen nach Antworten ist der erste Schritt. Mehr nicht.

Stand: 05. Mai 2021

 

 

Die Würde in der Arbeit

Das bundesdeutsche Grundgesetz beginnt mit Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Ich beziehe mich auf den Artikel 1 des Grundgesetzes und folge der Frage: „Wie ist es um die Würde in der Arbeit bestellt?“

Um diese Frage beantworten zu können, bewege ich mich durch die Geschichte der Arbeit, suche nach Momenten, in denen Arbeit würdevoll ist und Momente, in denen der Umgang mit Arbeitenden mit Würde geschieht. Ich gestatte mir bei meiner Reise durch vergangene, gegenwärtige und mögliche künftige Arbeitswelten kleine Ausflüge in das Zusammenspiel von Arbeit und Natur, wie Arbeit in gesellschaftliche Prozesse eingebettet ist, wie Märkte Arbeitswelt beeinflussen und in welchem Wechselspiel Technologien und Arbeitswelt stehen. Wer sich mit der Arbeitswelt befasst, kommt nicht umhin, sich mit Herrschaftsstrukturen und politischen Machtverhältnissen auseinander zu setzen. Beiden gilt mein Interesse.

Mein Ausgangspunkt liegt in der grauen Vorzeit, als unsere Urahnen als Jäger und Sammler unterwegs waren. Die zweite Etappe wird von einem kurzen Blick auf das Leben und Arbeiten unserer germanischen Ahnen begleitet. Im Mittelalter werden die Startblöcke montiert für die Transformation der Agrarwirtschaft zur Marktwirtschaft. Diese Transformation ist ein Umwälzungsprozess. Arbeits- und Lebensbezüge werden aufgelöst, Gemeinschaften zersplittert, Abhängigkeiten beendet und neue geschaffen.

Mit der Aufklärung werden Freiheit, Verantwortung, Mündigkeit oder Gerechtigkeit zur Grundlage von Demokratien, Gesellschaften und Nationalstaaten. Das Individuum in seiner Subjektivität ist aus dem Feudalismus entlassen, frönt als Bohème, Bourgeois oder freier Lohnarbeiter sein Dasein. Identitäten bilden sich neu: in meinem Zusammenhang die Identität des*der Arbeiters*in und seiner*ihrer Klasse. Spätestens mit der Aufklärung ändert sich das Verständnis von Arbeit gravierend. Vom lästigen Zwang, arbeiten zu müssen bis zur Erwerbsgesellschaft ist es ein weiter, leidvoller Weg. In der Erwerbsgesellschaft erlebt Arbeit den Wandel von der Arbeit in der Disziplinargesellschaft hin zur Arbeit in der neoliberalen Gesellschaft.

Abschließend stelle ich die Frage, wie sich Arbeit und Erwerbsgesellschaft weiter entwickeln können. Welche Szenarien sind möglich? Was heißt würdevolles Arbeiten in der digitalisierten Arbeitswelt?

Stand: 05.Mai 2021