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Kondratieff-Zyklen

Einführung

Unter Kondratieff-Zyklen sind lange Wirtschafts- oder Konjunkturwellen zu verstehen, die nach dem russischen Ökonomen Kondratieff benannt worden sind. Treiber sind Basisinnovation, die für eine mehrere Jahrzehnte anhaltende Wertschöpfung sorgen.


I.Kondratieff-Zyklus

Der I. Kontradieff-Zyklus umfasst die 1780er bis 1840er Jahre.
Wie bei der I. Industriellen Revolution gilt als Basisinnovation die Dampfmaschine. Die gewachsenen Sozialstrukturen werden zerstört und befinden sich in Auflösung. Vertreibung und Verlust des Gemeinwesens verstärken die Zerstörung gewachsener Sozialstrukturen. Städte wachsen schnell. Die Infrastruktur für den Transport (Pferdefuhrwerke) ist beschränkt. Allmählich setzt eine Bekämpfung von Hungersnot und Krankheit ein. Die Fabrikarbeiter gewinnen an Einfluss. Sie kämpfen für ihre politischen Rechte und ihre soziale Sicherheit.


II.Kondratieff-Zyklus

Der II. Kontradieff-Zyklus reicht von den 1850er bis in 1890er Jahren. Basisinnovationen sind die Eisenbahn und Bessemer-Stahl. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in die auch die Gründerzeit fällt.
Die Dampfmaschine ist Erfolgsgarant für Stahlproduktion, Textilindustrie, Eisenbahn und Dampfschifffahrt. Transportkosten können durch die Eisenbahn soweit gesenkt werden, dass es möglich wird in überregionale Räume kostengünstig zu exportieren.
Fabrikarbeiter werden immer wichtiger. In den industriellen Zentren werden Sozialreformen durchgeführt, um den Einfluss der Arbeiter zu begrenzen.


III.Kondratieff-Zyklus

In dem III. Kontradieff- Zyklus der 1890er – 1940er Jahren gewinnt die elektrische Energie mehr und mehr an Einfluss. Elektrotechnik, Schwer-industrie und chemische Industrie profitierten. Mit der Elektrizität rücken naturwissenschaftliche Prozesse immer mehr im Vordergrund. Chemie und Stahl zählen zu den Basisinnovationen dieser langen Welle.
Mit der Elektrizität werden der Wechselschichtbetrieb in den Unter-nehmen, das moderne Nachtleben und ein schneller, weltweiter Informationsaustausch möglich.
Die materiellen Lebensbedingungen vieler Menschen verbessern sich, immer mehr Menschen können höhere Bildung wahrnehmen und gezielt Berufslaufbahnen anstreben. Sie gewinnen als Wähler und Konsumenten an Bedeutung.


IV.Kondratieff-Zyklus

In dem IV. Kontradieff-Zyklus der 1935er – 1990er Jahre  dominiert die Elektrifizierung. Sie wirkt sich auf die Automatisierung der Produktion aus. Das naturwissenschaftliche Denken und Handeln setzt auf Kernenergie als Energieträger. Ohne Elektrifizierung wären integrierte Schaltkreise undenkbar. Basisinnovationen sind z.B. das Automobil und später der Computer. Tayloristische Arbeitsteilung mit konsequenter Trennung von Kopf- und Handarbeit sowie einer kurzen Taktung der Arbeitsschritte – der repetitiven Arbeit - , charakterisierten bis in die siebziger Jahre die Arbeitswelt, während unsere Lebenswelt von Massenfertigung und Massenkonsum geprägt wird. Mit dem Massenprodukt Automobil findet der Ausbau des Individualverkehrs, die Förderung der Mobilität und des Massenkonsums statt.


V.Kondratieff-Zyklus

Dem in den 1990er Jahren beginnenden V. Kontradieff-Zyklus dient als Basisinnovation die Informationstechnologie. Die Kapazitäten der Rechner werden immer größer, die Datenverarbeitung schneller. Leistungsfähige Rechner und die infrastrukturelle Ausstattung der Haushalte mit Computern machen das Internet zu dem, was es heute ist.
Ohne gute Bildung verringern sich Aufstiegs- und ausreichen-de Einkommenschancen.
Die Informations- und Wissensgesellschaft zeichnet sich ab.


VI.Kondratieff-Zyklus

Der VI. Kontradieff-Zyklus beginnt in den 2010er Jahren. Die Basisinnovationen des aktuellen Zyklus drehen sich um Gesundheit, Biotechnologie, Medizintechnik, Gesundheits- und Pflegedienste, Spiritualität und Sport. Wir finden diese Basisinnovationen in Wellness- und Sportangeboten. Gesundheitsdaten, Genanalyse und ein immer umfangreicherer und detaillierterer Arzneimittelmarkt gehören ebenso dazu wie neue Therapieformen.
Der Daten verarbeitende Informationsmarkt gilt als der Schlüssel zur Zukunft. Investitionen in den Umweltschutz und in grüne Energie zeigen ebenso wie das Klimaschutzabkommen von Paris, dass der Erhalt von Ressourcen  Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung gewährleistet. Energiewende, Veränderung von Mobilitätskonzepten und eine Vielzahl neuer Geschäftsfelder bilden den Rahmen des Zyklus.

Literatur

Händeler, Die Gesichte der Zukunft
Hohn, Die Zerstörung der Zeit
Nefiodow, Nefiodow, Der Sechste Kondratieff

 

Der Sechste Kondratieff

Der sechste Kondratieff

In dem Buch „Der Sechste Kondratieff“ von Leo und Simone Nefiodow erläutern die Autoren die Wachstumsbarrieren, die den sechsten Kondratieff behindern.
Sie sehen Kriminalität, Verschwendung und Krieg ebenso als Zunahme von Umweltzerstörung und Informationsmüll.
Ungleichheit und auseinander driftende Bildungschancen behindern ihrer Meinung nach Wachstum. Weltweiter Energieverbrauch bewirkt Umweltverschmutzung mit gravierenden klimatischen Veränderungen. Hochwasser und Dürre in Afrika sind z.B. Ergebnisse dieser Entwicklung, die zur Folge hat, dass immer mehr Menschen sich aufmachen, um aus Afrika Richtung Norden zu fliehen.
Abgesehen von Diebstahl, Mord und Totschlag, gibt es eine Reihe von Delikten wie Geldwäsche oder Steuerhinterziehung – zuletzt gut dokumentiert in den „Panama-Papers“. Unter Verschwendung fallen nicht nur der weltweite Ressourcenverbrauch, sondern auch Manipulationen aus Habgier von Großbanken an Zinsen wie Libor oder Eurobor. Unter das Stichwort Habgier fallen auch eine Reihe von Investitionsanlagen, die Finanzdienstleister den Bürger und Bürgerinnen vor der Finanzkrise von 2008 verkauft haben – von fragwürdigen Schiffsfonds, über Anteils- und Genussscheine von scheinbar ökologisch orientierten Geschäftsmodellen bis hin zu fragwürdigen Hypothekendarlehen.
Soziale Beziehungen und Partnerschaften zerbrechen. Familien verlieren aus beruflichen Gründen den Zusammenhalt. Einzelinteressen, Wettbewerb im privaten Bereich, der von Selbstdarstellung und Narzissmus (Selfies) begleitet wird, Konkurrenz in der Arbeit führen und materiellen und nicht materiellen Kosten stehen einem ausgewogenem, an Nachhaltigkeit orientierten Wachstum ebenfalls im Weg.

Ulrich Schäfer schreibt in der Süddeutschen Zeitung, dass die Krise der Mittelschicht eines der beherrschenden Themen beim diesjährigen Wirtschaftsforum in Davos sei. Dort vertretene Ökonomen, Politiker und Manager rätseln, „warum die Ängste ausgerechnet in jener Schicht, die so sehr von der Globalisierung profitiert hat, derart groß sind.“ Die Antwort gibt der italienische Finanzminister und Ökonom P.C. Padoan. Er meint, „viele Menschen in der Mittelschicht seien `desillusioniert über die Zukunft, über die Jobperspektiven für ihre Kinder und die Sicherheit´“ (SZ vom 19.01.2017, Angst vor dem Anti-Davos).
Die in Davos zusammengekommene Elite setzt auf Bildung und vergisst, dass das Versprechen: „Die nach kommende Generation soll es besser haben als die Elterngeneration“ längst gebrochen wurde, und zwar von ihr selbst. Der Rettungsanker „bedingungsloses Grundeinkommen“ wird ausgeworfen, aus lauter Angst, dass die Populisten noch mehr Zulauf von den chancenlosen, verarmten und ausgegrenzten „Modernisierungsverlierern“ erhalten, die die Elite durch Deregulierung von Wirtschaft und Finanzindustrie, Reformen von Sozialstaat und hetzenden betrieblichen Restrukturierungsprogrammen selbst hervorgezaubert hat. Nicht zufällig heißt der Lernsatz der Globalisierung: „Der Gewinner bekommt alles!“ Folglich ist der zweite der erste Verlierer.
In einem Beitrag von A. Hagelüken in derselben Ausgabe wird der Ökonom Straubhaar zitiert, der zwar feststellt, dass „für größere Teile der Bevölkerung das Leben härter geworden ist.“ Straubhaar rettet sich mit der Nennung einiger statischen Werte, unter anderem. „Die heutige Generation lebt weltweit länger und gesünder als ihre Eltern.“ Er unterschlägt, dass z.B. in Deutschland Menschen mit geringerer Bildung und wenig Einkommen meist in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind, dort mit hohen Belastungen und Unsicherheiten zu kämpfen haben und eine kürzere Lebenserwartung haben als Menschen mit hohem Bildungsstand und gesicherten Vermögensverhältnissen (SZ vom 19.01.2017, Die Globalisierung auf der Anklagebank).


Leben im VI. Kontradieff-Zyklus

Nehmen wir an, die Aufregung der Eliten über Populisten führt zu einer nachhaltigen, zukunftsträchtigen Wirtschaftsweise. Ein wunderbares Versprechen für nachkommende Generationen. Ein Versprechen, dass sich positiv auf das globale Klima, materielle und immaterielle Sicherheit, gute Arbeit und auf Verringerung von Chancenungleichheit in Bildung, Einkommen und Vermögen auswirkt.
Ein Versprechen, dass für junge und alt, selbstbestimmtes Leben und Arbeiten gilt.

Sie leben mit Ihrem Partner oder Partnerin zusammen, sind vielleicht verheiratet oder in Partnerschaft und haben eine Familie gegründet. Für Sie ist die schulische Bildung für Ihre Kinder die beste Voraussetzung, damit sie später einen guten Beruf ausüben können und materiell abgesichert sind.
Gesundheit hat für Sie einen hohen Stellenwert. Von Ihrem Arbeitgeber erwarten Sie, dass er Sie bei gesundheitsfördernden Aktivitäten unterstützt und an Ihrem Arbeitsplatz dafür Sorge trägt, dass Anforderungen und Ressourcen im Gleichgewicht sind. Sie joggen, haben Abonnements in Fitness-Studios und ernähren sich so gesund wie möglich, wobei Sie keineswegs auf Fleisch verzichten. Sie schätzen verlässliche soziale Beziehungen und treten für Umwelt- und Naturschutz ein. Ihr Konsumverhalten beschränkt sich auf das, was der Gebrauchswert ausdrückt. Dass Symbolik und Status im Konsumverhalten eine Falle ist, ist Ihnen längst klar. Sie wollen so wenig Abfall wie möglich produzieren und nur das Notwendige konsumieren, um die Naturzerstörung nicht weiter zu beschleunigen.
Sie haben ein Familienauto, das Sie sich bedarfsorientiert teilen. Seit einer Zeit überlegen Sie, gänzlich darauf zu verzichten. Wer kann, fährt mit der Bahn oder bei gutem Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit. Klappt es mit der Zugverbindung nicht so gut, bevorzugen Sie Car-Sharing oder ein Mietauto. Im normalen Alltag sind Ihre Fahrräder Ihre bevorzugten Transportmittel. Sie ahnen als Stadtmensch, dass diese Form der Mobilität lediglich eine Form des Übergangs sein wird und dass das Kernproblem der Mobilität von der Region, dem ländlichen Raum aus begonnen werden sollte, wenn es Erfolg gaben soll.
Über Ihre Zeit möchten Sie selbst verfügen, Vertrauen zueinander und Offenheit sind für Sie zentrale Werte. Sie interessieren sich für Tai Chi, Chi-Gong und Yoga. Spiritualität und Meditation schätzen Sie sehr. Sie können sich vorstellen in nicht allzu ferner Zukunft alternative Formen des Zusammenlebens wie z.B. das Leben in einem Mehr-Generationen-Haus auszuprobieren.
Sie leben mit in Ihrer Partnerschaft oder Familie im VI. Kontradieff, in dem Gesundheit, Umwelt, konstruktiver Umgang mit Daten und Bildung die entscheidenden Faktoren sein werden.

Am Arbeitsplatz setzen Sie auf Kooperation. Sie sind der Souverän Ihrer Arbeitszeit, arbeiten und selbstbestimmt. Sie sehen sich als mündigen Betriebsbürger an. Sie genießen genügend Freiheitsgrade in der Arbeit und können Ihre Kreativität nutzen. Die betriebliche Kommunikation ist konfliktarm. Überbelastungen werden offen kommuniziert. Mit Ihren internen oder externen Kunden, Kollegen und Vorgesetzten verständigen Sie sich über Daten schützende betriebliche soziale Medien, Chats oder von Angesicht zu Angesicht.
Ihr Arbeitgeber berücksichtigt den demografischen Wandel der Belegschaft durch vorausschauende Personalarbeit, setzt auf strategische Personal- und individuelle Kompetenzentwicklung und hat ein systematisches, auf den betrieblichen Strukturen und Prozessen aufbauendes „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ eingeführt, gestützt durch Apps, die signalisieren, wann Sie bei der Arbeit eine Pause einlegen sollten oder besser nach Hause gehen - die Balance von Familie und Arbeit ist im Blickfeld.